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Bambi 2011 für den selbstlosen Einsatz des Bundeswehrsoldaten Ralf Rönckendorf

von

Ergreifende Rede von Johannes B. Kerner

Bambi Verleihung Ralf Rönckendorf
Bambi 2011

Man stelle sich vor... Galaambiente.... Abendkleider..... dann platzt der Krieg mitten hinein in den Glemmerabed und die Öffentlichkeit schaut endlich hin. Der Soldat Ralf Rönckendorf ist Bundeswehrsoldat mit Leib und Seele und erblindete nachdem er in Afghanistan seinem Kameraden das Leben rettete. Jetzt verlieh ihm die Jury einen Bambi - Sonderpreis für seinen selbstlosen Einsatz. Johannes B. Kerner hielt dazu eine bewegende Ansprache, die manch einem Zuschauer Tränen der Rührung in die Augen trieb.
Wir gratulieren Ralf Rönckendorf herzlich zu dieser Auszeichnung und freuen uns über dieses Zeichen, weil es zeigt, dass unsere Soldaten nach und nach wirklich gesellschaftlich mehr wahr genommen werden können. Vielen DANK!

 
Hier kann man nochmal das Video mit der
Verleihung des Bambi als Sonderpreis der Jury ansehen:

Ralf Rönckendorf - Bambiverleihung


Textversion Verleihung und Ansprache:

Johannes B. Kerner:
„Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn ich für ne gute Minute, vielleicht knapp zwei um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit bitten darf. Seit gut 10 Jahren beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland an der OP Enduring Freedom* und an der Terrorismusbekämpfung in Afghanistan. Die von uns allen gewählten Mitglieder des Deutschen Bundestages verlängern dieses Mandat regelmäßig. Das klingt so n bisschen technisch was ich hier sage, aber das bedeutet natürlich auch, dass Menschen in den Krieg ziehen.

Man kann den Einsatz notwendig finden. Man kann ihn sinnlos finden. Wie dem auch sei. Wir – bzw. die von uns legitimierten Abgeordneten – schicken die Soldatinnen und Soldaten dort hin. Und was auf keinen Fall passieren darf, ist, das die Menschen uns egal sind. Seit Beginn des Afghanistan Einsatzes haben 53 deutsche Soldaten dort ihr Leben gelassen. Mütter und Väter haben Kinder verloren, Töchter und Söhne den Papa, Ehefrauen und LebensgefährtInnen den Partner.

Jeder traurige Zwischenfall, von dem wir in den Nachrichten erfahren, bedeutet eine persönliche Tragödie und bedeutet natürlich auch unendliche Traurigkeit. Für die betroffenen Familien – dazu gehört nicht viel Phantasie – ist nichts mehr wie es einmal war.

Ralf Rönkendorf, Sie haben einem anderen Soldaten, Ihrem Kameraden, das Leben gerettet und Sie sind bei diesem Einsatz so schwer verletzt worden, dass Sie Ihr Augenlicht verloren haben.

Ich persönlich finde es bewundernswert, wie gefasst - manchmal hatte ich den Eindruck wie beinahe positiv - Sie mit Ihrem Schicksal umgehen. Dafür haben Sie, hat auch Ihre Lebensgefährtin und der kleine Phil-Christian, der auch da ist, unser aller Respekt, eigentlich unsere Hochachtung, verdient; und dafür erhalten Sie heute Abend, stellvertretend für die Männer und Frauen, die im Einsatz für die Freiheit und im Kampf gegen den Terrorismus ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und manchmal ihr Leben riskieren, den Sonderpreis der Jury.“

Im April 2010 sterben am Hindukusch drei deutsche Soldaten. Viele werden schwer verletzt. Einer davon ist Ralf Rönkendorf. Über Funk bekam der Sanitäter des Fallschirmjägerbattallions den Einsatzbefehl, einen angeschossenen Kameraden zu retten.

Ralf Rönckendorf:
„Er hatte viel Blut verloren, er war zwar noch ansprechbar. Seine Worte waren: „Ralle, lass mich hier nicht krepieren.“ Und ich hab ihm versprochen: „Ich hol dich hier raus und es wird alles gut.“ Und es wurde auch alles gut, zumindest für ihn.”

Beim Rückzug kam es zu einer Bodendetonation, bei der Ralf sein Augenlicht verlor. Durch den Feuerball kam es zu schwersten Verbrennungen seiner Lunge.

Christine Grabowski-Döhne, Dipl. Sozialarbeiterin:
„Ich habe Ralf Rönckendorf als eine sehr starke Persönlichkeit kennen gelernt und es hat mich tief beeindruckt, dass er - trotz seiner starken körperlichen, als auch psychischen Schäden - nach wie vor an den Gedanken des Samariters festhält.

Nur durch den selbstlosen Einsatz konnte Ralf ein Menschenleben retten.
Ralf „Ralle“ Rönkendorf verlor sein Augenlicht bei einer kurz danach geschehenen Sprengfallendetonation. Er zog sich dabei weitere schwere Verletzungen hinzu. Sein Kamerad wurde gerettet

Ralf Rönckendorf:
„Trotz all dem, was da passiert ist, würd' ich das wieder tun. Leben retten, vielleicht auch mein eigenes einsetzen und das möchte ich in Zukunft auch weiterhin tun.“

Den Sonderpreis der Jury bekommt Ralf Rönckendorf.

„Danke schön. Ja, vor gut drei Tagen bekam ich am späten Nachmittag den Anruf, dass ich hier in Wiesbaden heute Abend mit der Familie erscheinen darf, um diesen Bambi hier entgegen zu nehmen. Für das was in dem Film gezeigt wurde, für das was der Herr Kerner gerade sprach. So stehe ich hier wirklich sehr stolz und bedanke mich, bedanke mich bei der Jury, aber bedanken möchte ich mich auch ganz besonders bei meiner Frau, der Elke, und auch bei Phil-Christian, die in den allerschwierigsten Tagen und Stunden mich nicht fallen gelassen haben, sondern an meiner Seite standen, an meinem Krankenbett und immer zu mir hielten - und dafür bin ich denen so dankbar.

Und ebenfalls, was der Herr Kerner soeben sagte, so bitte ich selber - als aktiver Soldat - um ein kleines bisschen mehr Anerkennung unserer Gesellschaft für uns Soldaten.

Danke schön.“

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Kommentare

Kommentar von Frank Dietrich |

Nach sieben Einsätzen habe ich in vielen Dingen den Glauben verloren, der Auftritt des Herrn Kerner und
meines Kameraden und seiner oft vergessenen Familie, die meine Hochachtung verdienen hatte mich sehr berührt und sehr tief beeindruckt.

Vielen Dank Herr Kerner,
mit ihren kurzen Auftritt haben
sie vielen stillen Rückkehrern eine Stimme gegeben....

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